Alle Artikel in der Kategorie “Love Alien Film

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Wolfram im ZDF bei Mona Lisa

Das ZDF hat auch nochmal in Leipzig vorbeigeschaut. Damals beim Film hatten sie schonmal was gedreht, und so gibt es jetzt Rück- und Vorblick und auch ein bisschen Swingtanzen in Leipzig…

Zur ZDF-Mediathek

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Interview: Wolfram bei DRadio Wissen

Eine Stunde über die Liebe. Oder das Nichtfinden der Liebe. Aber es ist ja bekanntlich noch gut ausgegangen… Wolfram bei DRadio Wissen in einer Sendung, die sich regelmäßig der Liebe widmet, in all ihren Facetten. Hier online Zum Nach-, Vor- und Anhören…

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50 Tage: Für die Liebe nach Taipeh

Mein Text über ein halbes Jahr Nähe auf Probe in Taiwan, zuerst bei Edition F erschienen.

Lea liegt neben mir auf dem Bett in der siebten Etage, die es eigentlich nicht gibt. Sie trägt ein weites, weißes Shirt und hat sich in meinen rechten Arm eingerollt, den sie zum Kissen nimmt, mir kehrt sie den Rücken zu. Die Klimaanlage fächelt kühl auf uns herab. Lea wird eingeschlafen sein, denke ich und lese. Da landet ein Tropfen auf meinem Arm.

„Was ist los?“ erkundige ich mich auf Englisch bei ihr, „what’s wrong?“ Keine Reaktion, Lea regt sich kein bisschen, bleibt ganz Rücken für mich. Meine Frage zerstäubt in der Luft. Es bleibt klimaanlagenstill, bis Arm und Bett von einem sanften Zittern erfasst werden: homöopathische Seismik. Da wird mir klar, warum sie so hartnäckig abgewandt bleibt, ich weiß genau, wie sich ihr Gesicht jetzt zusammenzieht im Versuch, die Tränen zurückzuhalten. Das Beben verrät sie. Tränenbeben. Lea weint lautlos und will nicht, dass ich es sehe. Ich lege das Buch hin.

Eigentlich weiß ich ja, was los ist. Sie hat es mir gleich gesagt, als sie vorhin zur Tür herein ist.

„You know what?“ hatte sie mich begrüßt. „Weißt du was?“

„What?“ Natürlich wusste ich nicht.

„50 days left.“

50 Tage noch.

Ich bin auf Zeit hier, für ein halbes Jahr. Aus einer Entfernung von 9.000 Kilometern und sechs (in der Winterzeit: sieben) Stunden bin ich hierher gereist, um Lea nah zu sein. Vor 729 Tagen sind wir uns in Deutschland über den Weg gelaufen. Vor 564 Tagen haben wir uns über Skype zum Paar erklärt. Die Tage zählt Lea mit einer Handy-App. Heute ist Tag 132 des halben Jahres, in dem wir probehalber dieselbe Stadt bewohnen, die Hauptstadt Taiwans, Leas Heimatstadt Taipeh. Vorläufige Nähe in Fernost.

Selbst als einfacher Aussagesatz klingt es verdächtig nach Kitsch und Klischee, wenn ich sage: Für die Liebe bin ich von Leipzig nach Taipeh gegangen. Aber so ist es.

Dass ich das mal sagen würde! Noch vor drei Jahren hätte ich darauf nicht viel gegeben. Nicht darauf, dass ich mal in Asien wohne, aber schon gar nicht darauf, dass ich ein Mädchen im Arm halte, egal wo. Viel weiter weg als die Ilha formosa, die schöne Insel, wie portugiesische Seefahrer Taiwan tauften, war vor drei Jahren noch die Liebe selbst, schier unerreichbar, da war ich ungeküsst, erwachsene Jungfrau, absoluter Beginner, oder was man zu so einem sagt. Was ich mir am dringendsten wünschte, was mir am meisten fehlte, wollte partout nicht gelingen. Nie. Was den anderen um mich herum einfach zuzustoßen schien, diese Sache mit dem Finden und Gefundenwerden, Verlieben und Zusammenkommen und Imnieselregenknutschen und, vielleicht irgendwann, Sichwiedertrennen und Weitersuchen: Dabei stolperte ich schon im ersten Schritt. Stand daneben und schaute zu. Fingen auf einer Party neben mir zwei zu knutschen an, kam ich mir nicht bloß wie ein Außenstehender vor, eher schon wie ein Außerirdischer. Love Alien.

Ich hab’s versucht. Onlinedating natürlich, fast mein ganzes Onlineleben lang. Hab mich zu Blind-Dates verabredet und beim Speeddating mitgemacht, hab Ratgeber gewälzt: übers Flirten, fünf sichere Schritte zum Kuss, und wie Mann wirklich jede Frau erobert. War auf Parties, wo Singles per Aufkleber mit Nummern an der Brust markiert wurden. Habe mich therapieren und stylen lassen. Mit beiden Händen wühlte ich in der Grabbelkiste der Verpaarungsindustrie, was man so machen soll, hab ich alles gemacht: Irgendwas musste doch helfen!

Nichts half. Es wurde besser, aber erst jenseits der 30, mit etwas, das Überwindung kostet statt Geld.

Eigentlich redet man darüber nicht. Ich hab irgendwann aber aufgehört, mich zu verstecken. „Da wir gerade über Beziehungen sprechen, vielleicht überrascht dich das, aber: Ich hab noch nie…“ Auch wenn ich auf die Fragen der Anderen keine Antworten wusste, zum Beispiel auf das Warum, sollte ausgerechnet Reden helfen. Je weniger ich mein Lebensproblem für mich behielt, je mehr ich redete, mit Freunden, mit Fremden, mit der Familie, desto kleiner wurde das Problem, es hat sich — nicht gelöst, aber zerredet.

Mit 31 doch, woran ich längst nicht mehr hatte glauben wollen: erster Kuss! Erster Sex! Erste Beziehung! Eine Fernbeziehung Leipzig – Berlin, die immerhin einige Wochen hielt. In Abständen folgten zwei weitere kurze Beziehungen. Drei umwerfend tolle Frauen, mit denen es los-, aber allzu bald nicht weiterging. Aha, dachte ich. So ist das nun, als normaler Single?

Dann traf ich Lea. Sie war auf Auslandssemester in den Niederlanden, ihre Eltern glaubten die Tochter über Bücher gebeugt und ins Studium gekniet, sie aber reiste lieber kreuz und quer durch die Städte und Landschaften Europas. In München forderte sie mich im sehr kurzen blauen Kleid zum Swingtanzen auf. Als das Tanzwochenende um war, verbrachten wir einen ganzen letzten Abend mit Küssen, erst auf dem Bahnsteig der S-Bahn, schließlich auf einer Parkbank im Marienhof. Die Nacht verbrachten wir getrennt, anderntags reiste sie weiter. Ich wusste: Die musst du wiedersehen!

Dreimal reisten wir gemeinsam, nach Dresden, nach Berlin, nach Krakau. Vom Krakauer Busbahnhof aus ging es für Lea zurück nach Taiwan. „Und wenn wir uns nie wiedersehen?“ fragte sie unter Tränen, „what if we never see each other again?“ „Wir sehen uns wieder!“ sagte ich und meinte es. Warum denn nicht? dachte ich.

Halbe Tage verbrachten wir auf Skype miteinander, schickten uns Päckchen voller Schokolade hin und her. Der Zoll machte jedes einzelne Päckchen auf, zerbrach noch so sorgsam verpackte Schokofiguren. Auf Drogensuche? Da suchten sie bei uns vergeblich, die hatten wir nicht nötig, wir hatten uns. Manchmal schliefen wir gemeinsam über Skype ein. Nur einmal schickte ich ihr doch ein Fläschchen Rotwein. Mit den Weingläsern stießen wir unsere Webcams an und prosteten uns auf dem Display zu, auf die soeben geschlossene Beziehung. Dafür, dass ich keine Fernbeziehung gewollt hatte, hatte ich nun eine Fernstbeziehung.

Vom Abschied in Krakau an dauerte es etwas länger als ein halbes Jahr, bis ich Geld für eine Reise zusammen hatte.

Sehr früh morgens landete ich zum ersten Mal in Taipeh, fischte meinen Wanderrucksack vom Gepäckband und wollte gerade am Zoll vorbei durch die große Schleuse der Ankunft entgegen, wo Lea auf mich wartete, als mich Zweifel überfiel. Was machst du hier? Ich stockte, blieb stehen und sah mich um, als wachte ich aus einem Traum auf. Du scheiterst an einer Beziehung zwischen Leipzig und Berlin, fliegst aber einmal quer über Russland und China zu einer Frau, die du gar nicht richtig kennst. Wie soll das gehen? Ist das nicht Blödsinn? So gesehen war es vielleicht welcher. Aber ich war nun hier. Ich gab mir einen Ruck, ging weiter und schloss Lea in die Arme. Der Zweifel muss beim Zoll hängengeblieben sein, jedenfalls hat er sich seitdem nicht wieder gemeldet.

Drei Wochen lang bereisten wir Taiwan, die Berge, die Ostküste, die winzige Orchideeninsel mit ihren Ureinwohnern. Nächtelang saßen wir dort aneinandergelehnt auf einem Flachdach in der sommerwarmen Brise, ließen uns von der Brandung anbrüllen und schwiegen. Da dachte ich zum ersten Mal: Das ist ein Gesicht, in das du lange schauen kannst, ohne dass du dich je daran satt siehst!

Bei dem Abschied weinte ich auch.

Ich komme wieder, versprach ich. Gerade steckte ich mitten im Diplom an der Filmhochschule, das ich erst ablegen musste. Das dauerte wieder ein gutes halbes Jahr. Im Frühjahr war der Diplomfilm abgedreht und abgesegnet. Ich kündigte die Altbauwohnung in Leipzig, verscherbelte übers Internet alle Möbel (auch meine geliebte Värde-Küche, die es bei Ikea gar nicht mehr gibt) und flog mit 20 Kilo plus Handgepäck los.

Seitdem bewohne ich ein WG-Zimmer im siebten Stock eines sechsgeschössigen Hauses am Daan-Park, für Taipeh so etwas wie der Central Park in New York. Wie auf fast alle Häuser hat man auf unseres ein Stockwerk aufgesetzt, illegal und in Leichtbauweise. Bei Taifun wackeln die Wände, dafür sind diese Wohnungen am billigsten.

Die meisten Tage verbringen wir im Café, von mittags bis nachts sitzen wir über die Laptops gebeugt beieinander, die Hände nicht bloß auf den Tasten. Nähe: für sie bin ich hergekommen. Wie alle Laptoparbeiter hier brauchen wir nur ein Getränk bestellen und dürfen sitzenbleiben, so lange wir wollen, Strom und Internet inklusive. Lea hat bis vor kurzem an ihrer Masterarbeit geschrieben. Jetzt sucht sie im Internet nach Stellen als Projekt- oder Social-Media-Managerin und verschickt Bewerbungen. Ich brüte an neuen Filmideen, recherchiere, führe Skype-Interviews und habe schon sechs Entwürfe zu PDF gebracht. Als freischaffender Filmemacher muss ich mir meine Arbeit selber beschaffen.

Nur übernachtet hat Lea bei mir noch nie. Es geht nicht. Selbst mit 27 muss sie, solange unverheiratet, bei den Eltern wohnen, eine gute Stunde vom Daan-Park weg in Neu Taipeh. Die wissen nichts von uns. Was für jemanden aus Deutschland nach dem Normalsten klingen mag: ein Paar sein, beim Freund oder der Freundin übernachten, irgendwann zusammenziehen — das finden viele Taiwaner, vor der Hochzeit jedenfalls, unakzeptabel. Vor allem die Generation der Eltern und Großeltern. Natürlich haben junge Taiwaner Beziehungen, aber der Familie gegenüber halten sie die nicht selten geheim, und nicht nur bei ausländischen Partnern. Konfuzianische Werte vertragen sich schlecht mit westlicher Lebensweise.

Einer der Gründe, weshalb Lea weg will aus Taipeh.

Ich glaube, mit unserer Beziehung hat Lea mehr auf sich zu nehmen als ich. Sie wagt den größeren kulturellen Spagat, hat wahrscheinlich auch mehr zu verlieren. Von den Eltern und der Familie mal abgesehen: Schon auf der Straße zieht ein taiwanisches Mädchen, Hand in Hand mit einem blonden Westler, Blicke auf sich. Nicht alle wohlwollend. Ein deutscher Bekannter, der seit acht Jahren hier wohnt und mit einer Taiwanerin verheiratet ist, meint: Da schießen den Leuten dieselben Klischees durch den Kopf, dieselben Vorurteile, wie wenn beispielsweise in Deutschland ein Mädchen mit einem Schwarzen herumläuft. Die meisten mögen sich nicht daran stören, aber manche eben doch. Zweimal erlebte ich mit, wie Lea mitten auf der Straße beschimpft wurde. Eine alte Frau schrie uns inbrünstig Flüche hinterher, von denen Schlampe einer der harmloseren war, bis wir uns um eine Straßenecke gerettet hatten. Aber das sind Ausnahmen, die von überhaus herzlichen Begegnungen mehr als wettgemacht werden.

(Ein taiwanischer Mann übrigens, Hand in Hand mit einer westlichen Frau, würde überall Beifall und Bewunderung ernten, aber das nur am Rande.)

Als wir wandern gehen, stellt sich heraus: Lea hasst Wandern. Jedenfalls, wenn ich sie an einer Abzweigung spontan zur längeren und weit anstrengenderen Tour überrede. Auf dem Gipfel des Tigerbergs, mit bestem Panoramablick auf den berühmten Wolkenkratzer Taipei 101, haben wir unseren ersten Streit, wir giften uns an und werfen uns vor, den schönen Tag auf dem Gewissen zu haben. Ein einziges Mal begleitet sie mich zum Sport, aber sie hasst auch den, jedenfalls meine Sportart. Nicht einmal dieselbe Musik hören wir. In vielen Dingen, auf die man beim Tindern und Okcupidden viel Wert legen würde, sind wir ausgesprochen verschieden. Dennoch läuft es, davon abgesehen, fast gespenstisch gut mit uns, gerade aus der Nähe.

Sind wir wirklich so eine „Generation beziehungsunfähig“, wie die steile Karriere dieser Selbstbezeichnung vermuten ließe? Mir kommt das vor wie eine kleine Ausrede, die es uns leicht macht, uns aus der Verantwortung zu stehlen. Bitteschön: Es liegt gar nicht an mir, sondern an der Generation! Aber, Entschuldigung: Jeder und jede tut sich schwer mit der Liebe, jeder hat seine Baustellen, die meisten eine ganze Horde Wanderbaustellen mit Schleichverkehr und Stau. Bei mir hatte es die längste Zeit nicht losgehen wollen, andere Leute haben andere Sorgen. Nun bin ich endlich unterwegs (welch Glück!), aber da wird noch mehr auf mich zukommen. Wenn etwas normal ist, dann doch das — und nicht timelinetaugliches Dauerglück! Zugegeben, ich kenne das Verführerische am Gedanken, Ursache und Schuld woanders und bei anderen zu suchen. Aber wenn ich eins gelernt hab, dann: Die sind es nicht, fast nie. Nicht die Generation und nicht die Gesellschaft, nicht „die Frauen“, nicht „die Männer“, nicht die Zeit und nicht die Umstände. Was Liebe angeht, bleiben wir zuständig für uns. Du und ich.

Mein bisschen Erspartes vom Verkauf der Ikeaküche ist bald verlebt, auch mein kleines Zimmer mit den wackligen Wänden ist schon weitervermietet. Die Nähe auf Probe läuft ab. Wir wollen uns durchaus in festere Verhältnisse übernehmen, aber verlängern und bleiben, das kann ich nicht einfach so. Arbeiten darf ich hier nicht, und was sollte ich auch arbeiten? In meinem Beruf schwierig, allein wegen der Sprache. Also rückt die Ferne wieder näher: erstmal zurück nach Deutschland, Geld verdienen. Und hoffen, dass auch Lea dort eine Stelle finden und nachkommen kann.

Und weil eben die Tage unserer Nähe mit jedem Tag einer weniger werden, kann schon eine Umarmung, ein bisschen Hautkontakt Tränen auslösen.

Vielleicht sind wir wahnsinnig naiv. Ehrlich gesagt, habe ich noch keinen Schimmer, was das für eine Taiwanerin heißen mag, nach Deutschland zu kommen, dort wohnen und arbeiten zu wollen. Oder, umgekehrt, für mich nach Taiwan. Oder für uns beide woandershin. Die drei Möglichkeiten haben wir.

„Was, wenn das alles nicht klappt?“ fragt Lea manchmal, „was machen wir dann?“

Von uns beiden ist Lea die Pessimistischere, auch wenn sie darauf besteht, es realistisch zu nennen. Ich kann, seit ich sie kenne, irgendwie nicht mehr pessimistisch sein, vielleicht habe ich meinen Pessimismus in den langen Jahren vor ihr aufgebraucht. Ich kann immer nur denken: Warum denn eigentlich nicht? So weit sind wir doch gekommen.

Und 50 Tage haben wir erstmal noch.

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Interview bei Vice: „Ich war bis 31 Jungfrau und ungeküsst“

„Kein Sex war nicht das Problem. Viel schlimmer war es, nach Hause in die leere Wohnung zu kommen. Und zu denken, dass es sich niemals ändert.“

Danke, Vice – das ist die bislang beste Zusammenfassung. Genau das ist der springende Punkt!

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Wolfram bei Lanz

Nach drei Jahren mein zweiter Besuch bei Markus Lanz. Damals ging es noch um den Ist-Zustand, und diesmal darum, wie es seitdem so weiterging… war eine fröhliche Runde, besonders mit Lilo Wanders und Ann-Marlene Henning. Doch, kann man sich anschauen! Startet hier im Player schon an der richtigen Stelle (wer die Sendung von vorn sehen will, muss zurückspulen!).

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Love Alien: der ganze! Film nacherzählt

Am Anfang bist du einsam und traurig und sehnst dich nach einer Freundin. Nur will dich keine. Irgendwann fängst du an, an dir zu arbeiten. Sport, Therapie, Klamotten, drüber reden. Aber dich will immer noch keine. Was ist los? Sagen das nicht alle, dass du was dafür tun musst? Warum klappt es nicht? Zum Schluss kapierst du: wenn überhaupt, musst du bei dir anfangen. Aktiv werden, an dir arbeiten – das bringt vielleicht nicht gleich ne Freundin. Aber du kannst zufriedener werden, fühlst dich in dir wohler. Damit hört der Film auf, dass mit deiner Einsicht dieser lange, steile Weg losgeht.

Besser kann man’s wahrscheinlich nicht zusammenfassen. Danke, Eva!

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Was wir (bei allem Spaß) nicht vergessen sollten

Das ungewollte, so hartnäckig unbeendbare Alleinbleiben ist ein Problem. Punkt.

Muss man ja mal sagen. Da ist es völlig Wumpe, ob einer (oder eine) diese seltsamen Organe zwischen den Beinen noch nie gemeinsam mit einem anderen Menschen benutzt hat, oder hundertmal: Wer denkt, da ist ein Problem; wer, warum auch immer, niemanden finden kann und sich darum sorgt, für lange oder für immer alleinzubleiben: der hat wohl dieses Problem.

Man kann viel über Lebenssorgen lesen, über Depression und Burnout, und dass die gar nicht so lustig sind, und keine Hirngespinste. Nun: Die Sorge, alleinzubleiben, ist für mich ebenso schwerwiegend wie andere Lebenssorgen. Man sucht sich ja seine Sorgen nicht aus. Als Sorgender hilft es auch keinen Millimeter weiter, zu hören: das sei doch kein richtiges Problem, man solle sich mal nicht so anstellen, man sei doch noch jung, man solle erstmal Spaß im Leben haben, sich nicht auf eine Beziehung versteifen, glücklich könne man nicht nur mit einem Partner werden… und das ließe sich (leider) unendlich fortsetzen.

Manchmal, das gebe ich zu, habe ich vielleicht eine zu flapsige Art, wenn ich über dieses Thema spreche. Dann kommt das so ein bisschen lustig rüber, als wäre das eigentlich gar keine große Sache. Und ja: Es war mir wichtig, dass Film und Buch nicht deprimierend sind, sondern wenigstens ein bisschen unterhaltsam und – hoffentlich – auch humorvoll…

Und dann kam es eben vor: Wenn der Love-Alien-Film mal gezeigt wurde und hinterher eine Gesprächsrunde war, wo die Leute ihre Fragen stellen konnten: dann wurde mir mitunter gesagt, ich wirke ganz anders als im Film, ich sei ja viel lustiger, gar nicht so deprimiert. Wie das denn zusammenpasse, der Wolfram im Film und der „echte“?

Naja. Ich bin schon beides. Gerne lustig, aber auch manchmal das Gegenteil. Kommt eben drauf an, wie’s grad so geht. Meine Freunde können Lieder davon singen, dass ich gut im Jammern bin. Ich hatte nun inzwischen das unfassbare, tierische Glück, dass ich doch nicht dort stehengeblieben bin, wie ich befürchtet hatte, dass mir ein paar Menschen begegnet sind, ein paar Dinge passiert, die mich heute sagen lassen: Ich fühle mich nicht mehr als Love Alien!

Aber ich habe nicht vergessen, wie beschissen das ist, Abend für Abend allein ins Bett zu gehen, über Jahre, immer mit demselben Gedanken: Wie lange noch… für immer?

Wir sollten das ernstnehmen. Vor allem die Menschen sollten wir ernstnehmen.

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LOVE ALIEN im Fernsehen: übermorgen, Freitag, 10. Juni, 21 Uhr => ARD-Alpha

Wir haben ein TV-Date! Und ich hoffe, diesmal schmeißt ARD-Alpha den Film nicht wieder kurzfristig aus dem Programm… sehen wir uns? Juhu!

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Love Alien: Buch zum Film? Film zum Buch? Oder wie?

Es gibt ein Buch. Und es gibt einen Film. Heißen beide „Love Alien“ und sehen auch noch ähnlich aus. Ist es das Buch zum Film, der Film zum Buch, oder wie?

Weder, noch.

Der Film war zuerst da und ist eine Innenansicht, eine Momentaufnahme aus dem Alltag allein: mein 30. Lebensjahr, aufgenommen vom 29. bis zum 30. Geburtstag, mit einer kleinen Urlaubskamera aus der Subjektive. Er kam an der Filmhochschule als Übungsfilm zustande und sollte ursprünglich gar nicht von mir handeln, sondern von anderen Menschen mit denselben Sorgen. Als ich einem meiner Filmlehrer unter Angstschweiß und vier Augen gestand, es gehe mir übrigens selber so, das sei auch die Motivation zu diesem Thema, sagte der: Warum machst du den Film nicht über dich?

Ist dann so gekommen. Der Dreh hat ein Jahr gedauert, die Fertigstellung bis zur Premiere fast ein weiteres. Danach kam der Film ins Kino, ins Fernsehen und auf DVD. Da hatte ich Glück. Hatte ich mir zwar erhofft, dass ich damit einen Nerv treffe, auch bei Medien, aber wissen konnte ich das natürlich nicht.

Er war noch nicht veröffentlicht, da trudelte eine Email ein.

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Buch schreiben? Ich hab doch grad einen Film gemacht, was sollte im Buch anderes stehen? Ein paar Emails gingen hin und her, dann schlief die Buchidee wieder ein…

Sie schlief drei Jahre, bis sie im Frühjahr 2015 aufwachte, ausgiebig gähnte, sich streckte und nach Aufmerksamkeit verlangte. In der Zwischenzeit war einiges passiert: Nicht nur, dass ich nach zehn Jahren in eine Stadt gezogen war, in der ich mich pudelstwohlst fühlte (falls sich pudelwohl steigern lässt), ich hatte unterdessen sogar erste Gehversuche in der Liebe gemacht: Ich fühlte mich nicht mehr als Love Alien!

Vielleicht wäre das mit so einem Buch jetzt doch was? Eine Freundin, die bei der Zeitung arbeitet, riet mir, unbedingt eine Agentur zu beauftragen. Sag mal, Google: Gibt es eine Buchagentur in Leipzig? Nö, sagte Google, dafür in Berlin. Ich schrieb kurzerhand an die größte: Ob das mit so einem Buch eine gute Idee sei? Ist es, schrieb die Agentur zurück. Wir zimmerten ein Exposé zurecht, und die Agentur spammte damit die Verlage voll. Kann jetzt allerdings ein paar Wochen dauern, sagte die Agentur, grade bei Erstautoren zieren sich die Verlage oft, bis sie zusagen…

Es dauerte zwei Stunden, bis der Agent wieder anrief, selber ein wenig atemlos: Verlag hat angebissen! Dann ging es ratzfatz, Vertrag, Unterschrift, hin, her, fertig.

Das Schreiben hatte ich unterschätzt. Das ist richtig Arbeit, weit mehr als ein bisschen Tastenklappern am Abend. Und es dauert, bei mir jedenfalls, viel länger als geplant. Am Anfang hat ein Kapitel geschlagene zwei bis drei Wochen verschlungen, und hinterher hab ich mir erstmal stolzgeschwellt die Schulter geklopft und das Kapitel an sämtliche Freunde verschickt, ob sie nun wollten oder nicht. Und eine wohlverdiente Pause eingelegt. So verging der Sommer, im Nu war der erste Abgabetermin heran und wurde im vollen Schreibgalopp gerissen: nicht zu halten. Auch der zweite nicht, und auch nicht der dritte. Dabei wurde ich im Schreiben immer schneller, zum Schluss mussten pro Kapitel zwei, drei Tage reichen. Den ganzen Mist vom Anfang, diese Zweiwochenkapitel, hatte ich inzwischen längst weggeschmissen, und ich verschickte auch nichts mehr, vorsichtshalber.

Der Film ist die Momentaufnahme, die mittendrin im Einsamkeitsschlamassel steckt, es geht mehr um Stimmungen als um Erklärung. Das Buch erzählt ganz anders, und es erzählt viel mehr. Zum Schreiben braucht man ja weder Filmmaterial noch O-Töne. Es gab tatsächlich noch einiges zu sagen, das im Film gar nicht auftauchen konnte, ohne Bilder. Klar finden sich Geschichten hüben wie drüben, ich bin ja derselbe. Aber das Buch geht doch deutlich über den Film hinaus, und – vielleicht am wichtigsten: es gbt eine Lösung. So eine Art jedenfalls.